HINTER DER GOLDENEN TÜR
RAUM FÜR KUNST
"Sahnehäubchen
und Zweitfrisuren"
Eva Küppers
Ausstellung vom 2. - 10. Mai 2026
Eva Küppersist bekannt als Musikerin und Gesangspädagogin. Zusammen mit der Gitarristin Beate Thiele-Hecker bildet sie das Vogical, in dem sie Jazzund Bluesklassiker, Soul, Latin und Eigenkompositionen darbietet.(…)
Es gibt viele Künstler, die eine Doppelbegabung haben. So auch Eva. Obwohl Musikerin, widmet sie sich auch einer Kunst, in der die Zeit in ihrem Verlauf keine Rolle spielt. Sie schafft Skulpturen, genauer: Skulpturen aus Draht.
Ja, das hat es alles schon früher gegeben, Kunst aus Draht. Dargestellt wurden Alltagsgegenstände: Hut, Tasse, Mülltonne, Gitarre, Flügel und so fort. Das Gezeigte war geometrisch oder strubbelig, busch- und baumähnlich. Die
Geflechte aus Draht waren sozusagen 3-D-Zeichnungen, Zeichnungen im Raum. Der Draht muss dabei gebogen werden, was durchausKraft kostet. Bildhauerei verbindet sich mit dem Zeichnen, eine eigentümliche Allianz.
Genau solche Gebilde, solche 3-D-Zeichnungen aus Draht hat Eva Küppers gefertigt, hergestellt, gestaltet. Dabei hat sie auch andere Materialien verwendet wie Papier, Stoff, Holz und Stein. Ihre Objekte sind durchlässig, durchsichtig, sie bilden Konturen. Sie sind Abbilder und sie sind Sinnbilder. Was ist das Besondere an diesen Objekten, und wie ist Eva Küppers überhaupt auf die Idee gekommen, mit Draht zu arbeiten?
Vor zwei Jahren begann die Chemotherapie, die ihre damalige Krebserkrankung Einhalt gebieten sollte. Diese Therapie hat ihr das Gefühl in den Fingern genommen. Um die Nerven in den Fingerspitzen zu stimulieren, hat Eva angefangen, mit Draht zu arbeiten, ihn zu biegen, zu formen, zu gestalten. Ihre Arbeit ist eine Art der Selbsttherapie.
Den Verlust ihrer Haare durch die Chemo kompensierte sie durch den Nachbau ihrer Irokesenfrisur und durch den Entwurf verschiedenartiger Kopfbedeckungen. Man ist einer Krankheit also nicht immer hilflos ausgeliefert, man kann gegen sie mit Erfolg ankämpfen. Kunst kann als Kompensation einer Krankheit gelten und ihr entgegenwirken. Eva hat aber auch – das sei nebenher gesagt – nicht nur Drahtgebilde geschaffen, um ihre Erkrankung thematisieren.
(…)
Die hier gezeigten Objekte beziehen sich weitestgehend auf den Bereich des menschlichen Körpers. Die äußere Realität wird ausgeklammert. Lymphbahnen werden dargestellt, nicht als bloßes Abbild, sondern als Werk, das auch anders gedeutet werden könnte und auch losgelöst von jedem körperlichen Bezug gesehen werden kann.
Dass Eva Küppers mit sich Geduld haben musste, ist angesichts der Erkrankung klar, und sie erinnerte sich selbst daran durch die Gestaltung der Geduldsfäden, die sie hier sehen können und die ganz unterschiedlich gestaltet
worden sind. Wie kommt Eva nur darauf, Geduldsfäden darzustellen? Jedenfalls sind ihre Geduldsfäden nicht gerissen, sie hat sie verwandelt in Kunstobjekte. Geduld, patientia, ist übrigens eine wichtige abendländische Tugend.
Faszinierend ist die große Ameise mit den vielen kleinen Ameisen-Tierchen. Hier wird das durch die Krankheit ausgelöste Kribbeln in Evas Händen bildlich auch für den Betrachter erfahrbar.
Gewaltig ist der goldene Berg, der von verschlungenen Fäden umrankt ist. Er muss etwas Großartiges darstellen, denkt man. Aber der Text unten lautet: „Ich bin kein Engelchen, du Arschloch.“ Das ist witzig, heiter, hat Humor. (Humor war und ist im Hause Küppers stets wichtig.)
Dann gibt es den Vorhang aus Goldstreifen. Gold ist eher abweisend. Bitte nicht berühren! Er ist Sinnbild des Tabus, über Krankheiten zu sprechen. Wenn Sie gleichwohl dahinter schauen, werden Sie einen schön geformten BH sehen, einen BH aus Draht. Aber er ist nur Hülle, er umfängt nur Leere. (…)
Es kommt hier vieles zur Sprache, nein, nicht zur Sprache, sondern zu Gesicht: Lymphbahnen, Bandscheiben, Wirbel, seltsame Blüten, Goldlöckchen, Kopfbedeckungen, Blätterkronen, Pilzköpfchen, Lockenwickler (was für ein Thema angesichts des Verlusts der Haare!), ferner eine Hand aus Speckstein mit der Aufschrift „I want to hold your hand“. (Dieser Wunsch steht in Kontrast zu dem kühlen, glatten Material, das eher den Gegenwunsch vermittelt: „Fass mich ja nicht an!“) (..)
Kunst anschauen dient der Gesundheit, las ich vor kurzem in der „ZEIT“. Bitte, tun Sie etwas für ihre Gesundheit, indem Sie die Werke von Eva Küppers betrachten. Aber bitte nicht nur aus diesem Grund, sondern weil es Sie bereichern dürfte, hier genau hinzuschauen.
Helmut Engels, Philosoph
HINTER DER GOLDENEN TÜR
RAUM FÜR KUNST
"Sahnehäubchen
und Zweitfrisuren"
Eva Küppers
Ausstellung vom 2. - 10. Mai 2026
Eva Küppersist bekannt als Musikerin und Gesangspädagogin. Zusammen mit der Gitarristin Beate Thiele-Hecker bildet sie das Vogical, in dem sie Jazzund Bluesklassiker, Soul, Latin und Eigenkompositionen darbietet.(…)
Es gibt viele Künstler, die eine Doppelbegabung haben. So auch Eva. Obwohl Musikerin, widmet sie sich auch einer Kunst, in der die Zeit in ihrem Verlauf keine Rolle spielt. Sie schafft Skulpturen, genauer: Skulpturen aus Draht.
Ja, das hat es alles schon früher gegeben, Kunst aus Draht. Dargestellt wurden Alltagsgegenstände: Hut, Tasse, Mülltonne, Gitarre, Flügel und so fort. Das Gezeigte war geometrisch oder strubbelig, busch- und baumähnlich. Die
Geflechte aus Draht waren sozusagen 3-D-Zeichnungen, Zeichnungen im Raum. Der Draht muss dabei gebogen werden, was durchausKraft kostet. Bildhauerei verbindet sich mit dem Zeichnen, eine eigentümliche Allianz.
Genau solche Gebilde, solche 3-D-Zeichnungen aus Draht hat Eva Küppers gefertigt, hergestellt, gestaltet. Dabei hat sie auch andere Materialien verwendet wie Papier, Stoff, Holz und Stein. Ihre Objekte sind durchlässig, durchsichtig, sie bilden Konturen. Sie sind Abbilder und sie sind Sinnbilder. Was ist das Besondere an diesen Objekten, und wie ist Eva Küppers überhaupt auf die Idee gekommen, mit Draht zu arbeiten?
Vor zwei Jahren begann die Chemotherapie, die ihre damalige Krebserkrankung Einhalt gebieten sollte. Diese Therapie hat ihr das Gefühl in den Fingern genommen. Um die Nerven in den Fingerspitzen zu stimulieren, hat Eva angefangen, mit Draht zu arbeiten, ihn zu biegen, zu formen, zu gestalten. Ihre Arbeit ist eine Art der Selbsttherapie.
Den Verlust ihrer Haare durch die Chemo kompensierte sie durch den Nachbau ihrer Irokesenfrisur und durch den Entwurf verschiedenartiger Kopfbedeckungen. Man ist einer Krankheit also nicht immer hilflos ausgeliefert, man kann gegen sie mit Erfolg ankämpfen. Kunst kann als Kompensation einer Krankheit gelten und ihr entgegenwirken. Eva hat aber auch – das sei nebenher gesagt – nicht nur Drahtgebilde geschaffen, um ihre Erkrankung thematisieren.
(…)
Die hier gezeigten Objekte beziehen sich weitestgehend auf den Bereich des menschlichen Körpers. Die äußere Realität wird ausgeklammert. Lymphbahnen werden dargestellt, nicht als bloßes Abbild, sondern als Werk, das auch anders gedeutet werden könnte und auch losgelöst von jedem körperlichen Bezug gesehen werden kann.
Dass Eva Küppers mit sich Geduld haben musste, ist angesichts der Erkrankung klar, und sie erinnerte sich selbst daran durch die Gestaltung der Geduldsfäden, die sie hier sehen können und die ganz unterschiedlich gestaltet
worden sind. Wie kommt Eva nur darauf, Geduldsfäden darzustellen? Jedenfalls sind ihre Geduldsfäden nicht gerissen, sie hat sie verwandelt in Kunstobjekte. Geduld, patientia, ist übrigens eine wichtige abendländische Tugend.
Faszinierend ist die große Ameise mit den vielen kleinen Ameisen-Tierchen. Hier wird das durch die Krankheit ausgelöste Kribbeln in Evas Händen bildlich auch für den Betrachter erfahrbar.
Gewaltig ist der goldene Berg, der von verschlungenen Fäden umrankt ist. Er muss etwas Großartiges darstellen, denkt man. Aber der Text unten lautet: „Ich bin kein Engelchen, du Arschloch.“ Das ist witzig, heiter, hat Humor. (Humor war und ist im Hause Küppers stets wichtig.)
Dann gibt es den Vorhang aus Goldstreifen. Gold ist eher abweisend. Bitte nicht berühren! Er ist Sinnbild des Tabus, über Krankheiten zu sprechen. Wenn Sie gleichwohl dahinter schauen, werden Sie einen schön geformten BH sehen, einen BH aus Draht. Aber er ist nur Hülle, er umfängt nur Leere. (…)
Es kommt hier vieles zur Sprache, nein, nicht zur Sprache, sondern zu Gesicht: Lymphbahnen, Bandscheiben, Wirbel, seltsame Blüten, Goldlöckchen, Kopfbedeckungen, Blätterkronen, Pilzköpfchen, Lockenwickler (was für ein Thema angesichts des Verlusts der Haare!), ferner eine Hand aus Speckstein mit der Aufschrift „I want to hold your hand“. (Dieser Wunsch steht in Kontrast zu dem kühlen, glatten Material, das eher den Gegenwunsch vermittelt: „Fass mich ja nicht an!“) (..)
Kunst anschauen dient der Gesundheit, las ich vor kurzem in der „ZEIT“. Bitte, tun Sie etwas für ihre Gesundheit, indem Sie die Werke von Eva Küppers betrachten. Aber bitte nicht nur aus diesem Grund, sondern weil es Sie bereichern dürfte, hier genau hinzuschauen.
Helmut Engels, Philosoph
